Frühling in Rom



Rom – eine Metropole, die sich doch ganz klein anfühlt, wenn man ihr näher kommt. Mit näher kommen meine ich nicht nur einen touristischen Aufenthalt von mehreren Tagen, sondern ein wenig länger in dieser Stadt zu weilen. Zufälle des Lebens führten mich diesen Frühling mehrere Wochen nach Rom, fast einen Monat verbrachte ich in der Hauptstadt Italiens. Ich wohnte zusammen mit einer anderen Deutschen in einem kleinen Appartement in Pigneto. Das Viertel, bekannt für seine vielen Studenten, Bars und kleinen Restaurants ist politisch sehr links orientiert. Erst in den letzten beiden Jahrzehnten ist es als begehrtes Wohnviertel im Südwesten der Stadt bekannt geworden.

Der Blick aus dem steilen Marmor getäfelten Treppenhaus zeigt die Wäsche der Nachbarn auf der anderen Seite der schmalen Via Campobasso. Ein Auto passt hier nur kaum durch. Kein Wunder, dass das beste Verkehrsmittel die kleinen Motorroller sind, die sich mühelos durch die Gassen und Straßen der Stadt schlängeln. Unser Appartement ist ganz oben, im vierten Stock. Die Tür so schmal, dass mein Koffer kaum hindurch passte und wir immer seitwärts die Wohnung betreten mussten. Sie war nicht groß: ein Schlafzimmer, eine Küche mit einem Tisch für zwei und einer Schlafcouch, ein kleines Bad und alles verbunden durch den winzigen Eingangsbereich. Fenster sollen wir nicht öffnen, sagte uns der Vermieter bei der Schlüsselübergabe, es sei wegen dem Staub und Sand in der Stadt. Aber es gäbe ja die Klimaanlage, welche aber nur im Schlafzimmer ginge. Der Vermieter sprach nur italienisch, weswegen er einen Freund anrief, der uns dann im gebrochenen Englisch, alles wichtige zur Wohnung am Telefon erklärte.
Die Wohnung war gut erreichbar: Busse, Tram und sogar eine U-Bahn Haltestelle in der Nähe. Das war viel Wert, denn Busse und Trams folgten keinen Fahrplänen und eine Berechnung einer ungefähren Fahrtzeit ist unmöglich. Die 2 1/2 U-Bahn Linien hingegen waren deutlich berechenbarer und zudem auch meist schneller. Jede Fahrt kostet 1,50€, egal mit welchem Verkehrsmittel für 100 Minuten. Damit kam man eigentlich über all hin.
Ich fand schnell einen Rhythmus im Leben in Rom. Es war entspannend im Vergleich zu München. Pünktlichkeit ist in Rom so eine Sache. Man kommt an, wenn man ankommt. Gerade vielleicht auch wegen dem schleppenden Verkehr. Ich mochte die Busfahrten durch die Stadt. Jede war so etwas wie eine kleine Sightseeing Tour. Und in Rom gehen einem wirklich nie die Sehenswürdigkeiten aus. Ich glaube ich müsste noch 10 Jahre in Rom leben, um wirklich alles gesehen zu haben.



Doch ich blieb nicht nur in Rom. Ich machte einen Tagesausflug nach Neapel. Klar Rom ist eng und voll mit Touristen, aber Neapel ist da nochmal eine andere Liga. Die Straßen, wen man das verflochtene Netz von Gassen überhaupt so nennen möchte, sind voll mit Menschen, Einheimischen sowie Touristen, Ständen, Motorrollern, Bars, Straßenkünstlern und Maradona Statuen. An jeder zweiten Hausecke werden die hohen verschachtelten Gebäude durch eine Kirche unterbrochen. Die Stadt gleicht einem Labyrinth und ich war froh mit einer Einheimischen unterwegs gewesen zu sein, welche uns eine kleine Stadtführung gab. Sie führte uns am Ende auch in ein Familienrestaurant, und was soll ich sagen, dort aß ich die beste Pizza, die ich je hatte.

Die drei Wochen in Rom vergingen wie im Flug und ich verließ die Stadt mit vielen neuen Erlebnissen, Freunden und Erfahrungen.
Ich glaube ganz besonders erinnern werde ich mich an die Vatikanischen Gärten, welche nur mit einer Führung zugänglich sind, sich aber auf jeden Fall lohnen. Man sieht nicht nur den Vatikan, sondern auch Rom aus ganz neuen Perspektiven. Als zweites die Galleria Arte Moderna, die eine fantastische Sammlung moderner und post-moderner Kunst besitzt. Ich verbrachte zwei ganze Nachmittage dort und will unbedingt wieder dort hin, da ich immer noch nicht alles gesehen habe. Und als drittes mein Viertel Pigneto. Ich werde vor allem die Cafés, Bars und die kleinen Restaurants vermissen, welche für oft nur 5€ die besten Pizzen und Pastagerichte zauberten. Aber natürlich auch den Café und das Cornetto am Morgen, eine unschlagbare Frühstückskombination, wie ich finde.
Mal sehen wann es mich zurück nach Rom trägt, aber ich hoffe doch schon bald. Es gibt so viele Museen und Viertel der Stadt, die ich noch gar nicht gesehen habe! So ist die Stadt vielleicht doch größer als sie sich anfühlt. Aber es wäre ja auch schade, wen man in drei Wochen alles einer Stadt sehen könnte. Wo bliebe denn da die Sehnsucht nach ihr?



